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Pressespiegel:

Düren, 14. November 2008
aus "Dürener Nachrichten" vom 14.11.2008

Alterspyramide steht bald kopf

Ist Düren gerüstet für 2020, wenn die Zahl der Senioren deutlich gestiegen sein wird? Liesel Koschorreck fordert einen Seniorenbeauftragten.
Düren. Von Kindern und Jugendlichen und deren bestmöglicher Förderung in Kindergarten, Schule und Hochschule ist in diesen Tagen viel die Rede. Doch wie steht es eigentlich um die Seniorinnen und Senioren, von denen es in Zukunft deutlich mehr geben wird als heute? Düren bildet hinsichtlich der demographischen Entwicklung im Reigen der mittleren Städte keine Ausnahme. Das belegt ein Blick auf die Daten und Prognosen einer Untersuchung, die die Bertelsmann-Stiftung voriges Jahr herausgegeben hat. Wissenschaftler gehen davon aus, dass in Düren im Jahr 2020 fast doppelt so viele Über-80-Jährige leben werden wie noch 2003. Von damals 3440 wird die Zahl auf 6608 gestiegen sein.

Ebenfalls kräftig steigt die Zahl der Menschen, die zwischen 65 und 70 Jahre alt sind: von 12 539 in 2003 auf 14 114 in 2020. Und noch eine Zahl in dieser Reihe muss man sich vergegenwärtigen: Es wird 2020 in Düren fast 5000 Menschen mehr geben als 2003, die zwischen 50 und 64 Jahre alt sind (16 479/14 114). Rasant sinken wird allein die Anzahl der 6- bis 18-jährigen Kinder und Jugendlichen. Diese Zahlen decken sich mit denen, die der Stadt Düren vorliegen, wie ein Abgleich im Rathaus ergab. Ziemlich genau die Hälfte aller Dürener wird 2020 schon 50 Jahre und älter sein. Knapp ein Drittel wird 60 Jahre und älter sein. Die Wissenschaftler teilen die älteren Menschen übrigens in zwei Gruppen: die aktiven und jüngeren Alten, die noch völlig selbstständig sind und unternehmungslustig. Und diejenigen, die ganz oder zum Teil auf Hilfe angewiesen sind. In Düren ist den Politikern bewusst, dass man es in spätestens zwölf Jahren mit einer komplett veränderten Bevölkerungsstruktur zu tun haben wird. Und dass man sich jetzt – und nicht erst in einigen Jahren – auf die Bedürfnisse dieser Menschen vorbereiten muss.

„Wir werden weniger, älter und bunter“, weiß Liesel Koschorreck. Die Dürenerin ist im Landtag innerhalb der SPD-Fraktion seit 2005 für Senioren zuständig. „Wir müssen politisch Vorsorge treffen“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Albert Eßer. Auch er ist ein Fachmann in Sachen Demographie. Ältere Menschen mit Rollator werden 2020 das Stadtbild mehr als heute prägen. Und sie werden auf altengerechte, also barrierefreie Wohnungen mit Aufzug in großer Zahl nicht verzichten können. Sie werden in den Stadtteilen eine gute Infrastruktur brauchen mit Lebensmittelladen, Apotheke, Frisör, Arzt und Bäckerei in unmittelbarer Nähe. Nur: „20 Prozent aller Dürener können schon jetzt ihre Lebensmittelversorgung nicht fußläufig sicherstellen“, weiß Eßer.

Im Bereich Bildung, Kultur und Sport werden Einrichtungen wie VHS, Vereine und Verbände ihre Angebote anpassen müssen. Die Veranstaltungen werden sich vom Abend in den Vormittag und den Nachmittag verlagern. Hinsichtlich Verkehr und Mobilität wird der ÖPNV völlig unzureichend sein, es werden sich wohl private Initiativen bilden, der Bürgerbus in Heimbach könnte ein Vorbild sein. Die Busverbindungen in die Stadt seien heute noch mangelhaft, sagt der Vorsitzende des Seniorenrates, Karl-Heinz Pakulat. Wer beispielsweise in Derichsweiler oder Mariaweiler wohne, sei „am Wochenende dazu verdammt, zu Hause zu bleiben.“

„Wegen drohender Vereinzelung werden wir Maßnahmen gegen die Einsamkeit schaffen müssen“, so Eßer. Politik müsse Begegnung und Kommunikation möglich machen, und zwar in nicht-kommerziellen Begegnungsstätten. Was die Infrastruktur und den altengerechten Umbau von Cafés und Restaurants betrifft, so hat Eßer „wenig Hoffnung, dass die Stadt Umbauhilfen finanzieren kann“. Schon heute müsse jede Entscheidung im Rat daraufhin untersucht werden, ob sie den Bedürfnissen der Senioren entgegenkommt.

Deshalb, so Liesel Koschorreck, müsse sofort ein hauptamtlicher Seniorenbeauftragter im Rathaus installiert werden. Analog etwa zur Frauenbeauftragten. Damit das Gleichgewicht zwischen Alten und Jungen nicht vollends aus den Fugen gerät, wird die Stadt Düren nicht zuletzt verstärkt Anstrengungen unternehmen müssen, sich für junge Familien attraktiv zu machen.

Der Seniorenrat befragt derzeit noch bis Ende des Jahres alle Senioren. „Wir wir morgen leben wollen“, so lautet das Motto der Frage­bogenaktion. 2000 Bögen sind verteilt, knapp 700 Bögen seien bereits ausgefüllt zurückgekommen, sagt Pakulat. Wer mitmachen will, kann sich die Bögen im Büro des Seniorenrates im Rathaus, täglich von 9.30 bis 11.45 Uhr, abholen.

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