Seitenanfang

Hauptnavigation




Zusatzinformationen

Liesel Koschorreck auf Facebook


Hauptinhaltsbereich

Pressemitteilung:

Düren, 31. Oktober 2007

So schnell wird Kibiz nicht zum Lieblingskind

Auch nach den Änderungen am Gesetzentwurf verstummt die Kritik nicht. Sorgen um die Qualität der Erziehung sind nicht zerstreut
Düren. Mehr als 800 Menschen gingen Ende August in Düren auf die Straße. Eltern, Erzieherinnen, Vertreter der Kindergartenträger und die Knirpse selber demonstrierten vor dem Rathaus gegen den Entwurf zum neuen Kinderbildungsgesetz NRW. „Kibiz ist Mumpitz“ lautete das Schlagwort. Dahinter verbarg sich die Sorge um die Qualität der Erziehung und die Finanzierung der Einrichtungen. Was in Düsseldorf folgte, war ein holpriger Weg zu einem Kompromiss zwischen Landesregierung, Kommunen, Trägern und Wohlfahrtsverbänden und schließlich die Verabschiedung des Gesetzes, das zum nächsten Kindergartenjahr in Kraft tritt. Seither ist es in Düren still geworden um Kibiz. Sind die Kritiker mit der endgültigen Fassung des Gesetzes einverstanden oder haben sie resigniert? Die DZ fragte nach.
„Um ein fundiertes Urteil fällen zu können, brauchen wir mehr Informationen und Erfahrung mit dem neuen Gesetz“, sagt Maria Kubitza. Die Leiterin des städtischen Kindergartens „Kuschelkiste“ in der Blücherstraße war auf dem Rathausvorplatz dabei, als gegen Kibiz demonstriert wurde. „Weil wir Angst haben, dass wir den Förderbedarf unserer Kinder nicht mehr decken können“, sagt sie. Eltern können nach dem neuen Gesetz zwischen unterschiedlichen Zeitmodellen wählen. „Wenn nun ein Kind nur noch 25 Stunden in der Woche statt bisher 45 bei uns ist, dann stellt uns das vor Probleme“, kritisiert die Leiterin und berichtet aus der Praxis: „Unsere Sprachförderung, auf die zu Recht sehr viel Wert gelegt wird, übernimmt eine Kollegin aus einer anderen Einrichtung. An manchen Tagen kann sie nur nachmittags bei uns sein. Dann sind aber vermutlich nicht mehr alle Kinder da.“ Ob der Kompromiss bei der Finanzierung, der nun einen möglichen Ausgleich am Ende eines Kindergartenjahres vorsieht, für die Einrichtungen akzeptabel ist, werde sich noch zeigen, sagt Kubitza. Größere Sorgen mache sie sich derzeit um die pädagogischen Fragen.
Sorgen, die wohl in allen Kindergärten des Landes geteilt werden. Auch in Nideggen, der Keimzelle des Kibiz-Protests im Kreis Düren. Dort waren die Einrichtungen schon lange vor der Dürener Demo, an der sie sich natürlich auch beteiligten, auf die Straße gegangen. „Wir haben uns zuletzt nicht mehr geäußert, weil wir eine gewisse Machtlosigkeit empfinden“, sagte Eva Gretscher aus der Tagesstätte „Zauberland“. Die Aussicht auf einen Finanzausgleich am Ende des Kindergartenjahres beruhige ein bisschen, auch wenn man nicht so recht glaube, dass das funktioniert. Die pädagogischen Bedenken seien ebenso wenig ausgeräumt wie die Frage nach den Elternbeiträgen.
Dass die hoch verschuldeten Kommunen letztlich per Gesetz doch nicht gezwungen werden, 19 Prozent der Kindergartenfinanzierung durch die Elternbeiträge sicherzustellen, hält Ulf Opländer allerdings für eine der wenigen begrüßenswerten Regelungen, die vor der Verabschiedung des Gesetzes in Düsseldorf gefunden wurden. In der Stadt Düren, wo nach der jüngsten Beitragserhöhung die Eltern etwa 13 Prozent am Gesamtkuchen finanzieren, wäre andernfalls eine deutliche Anhebung der Beiträge nötig gewesen. Das lehnt Opländer nicht nur als Verwaltungschef der evangelischen Gemeinde, in deren Trägerschaft sich Kindergärten befinden, sondern auch als jugendpolitischer Sprecher der Dürener SPD ab: „Wir erwarten jetzt, dass die Stadt auf jede weitere Beitragserhöhung verzichtet und wie bisher die Lücke durch eigene Mittel schließt.“ Der massive Protest im ganzen Land habe zumindest an dieser Stelle Erfolg gehabt. Doch unter dem Strich habe es nur marginale Verbesserungen gegenüber dem Ursprungsentwurf von Kibiz gegeben. Die grundsätzlichen Bedenken seien nicht ausgeräumt. Auf welcher finanziellen und personellen Grundlage etwa die Betreuung von unter Dreijährigen gewährleistet werden soll, ohne die Betreuung der Älteren einzuschränken, werde im Gesetz nicht beantwortet. Die Kindergartenlandschaft stehe deshalb vor einer ungewissen Zukunft und vor sehr großen Herausforderungen.

Zum Seitenanfang