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Pressespiegel:

Düren, 30. Mai 2013
aus "Dürener Nachrichten" vom 30. Mai 2013

„Keine Zeit mehr verschenken“

SPD und Grüne fordern einen Schulentwicklungsplan speziell für Düren
Düren. Die Dürener SPD und die Grünen wollen Bewegung in die Schulpolitik bringen. In einem gemeinsamen Antrag für den Stadtrat fordern sie einen Schulentwicklungsplan für Düren. Anfertigen soll die Erhebung ein Bonner Büro, das vor zwei Jahren einen Schulentwicklungsplan für den Kreis Düren erstellt hat.

Zwei Forderungen stellen SPD und Grüne auf: Zum einen soll der Plan zwei mögliche Szenarien für die Gründung von Sekundarschulen entwickeln. Denkbar seien eine Nord- und eine Südvariante.

Zum anderen soll „in besonderer Weise“, so der Antrag, den Anforderungen der Inklusion Rechnung getragen werden – auch unter Berücksichtigung neuer beziehungsweise alternativer Schulformen. Die beiden Parteien beklagen, dass seit Offenlage des Schulentwicklungsplans für den Kreis im Juni 2011 „außer der Gründung eines Arbeitskreises nichts passiert ist“, so Verena Schloemer und Bruno Voß (Die Grünen) gestern bei einem Pressegespräch. Dabei liefere der Plan konkrete Handlungsempfehlungen – etwa zwei bis drei Sekundarschulen.

SPD-Fraktionschef Henner Schmidt, Bürgermeisterkandidatin Liesel Koschorreck und die schulpolitische Sprecherin der SPD, Dagmar Nietan, warnten davor, „noch mehr Zeit“ verstreichen zu lassen. „Längst haben sich benachbarte Kommunen wie Kreuzau mit Schulgründungen auf den Weg gemacht. Düren muss aufpassen, nicht ins Hintertreffen zu gelangen.“

Die Politiker appellierten deshalb an die CDU, sich dem „Thema nicht weiter zu verschließen“. Bisher herrsche „Stillstand“, zwei Jahre seien verschenkt worden. Es ginge nicht darum, Schulen zu schließen, sondern „um ihren Erhalt“, sagt der Grüne Bruno Voß. Womöglich würden schon Zusammenlegungen weiterhelfen. Die Parteien stellen sich vor, dass es „spätestens in zwei Jahren“ Entscheidungen gibt. Betont wurde aber, dass „Sorgfalt vor Eile“ ginge, so Dagmar Nietan.

Integrative Lerngruppe
für Hauptschule?

An der Hauptschule Gürzenich soll eine integrative Lerngruppe mit dem Förderschwerpunkt Lernen eingerichtet werden. Eine sogenannte Dringlichkeitsentscheidung unterzeichneten jetzt Bürgermeister Larue und SPD-Fraktionschef Henner Schmidt. Die Bezirksregierung muss zustimmen.

Für die Gürzenicher Schule haben sich – wie berichtet – nur 18 Schüler angemeldet, darunter sieben mit „sonderpädagogischem Förderbedarf“. Mit einem besonderen Konzept sollen dann behinderte und nicht behinderte Schüler gemeinsam unterrichtet werden.

„Düren muss aufpassen,
nicht ins Hintertreffen
zu gelangen.“

Dagmar Nietan, schulpolitische Sprecherin der SPD



Kommentar

Düren muss Schule machen

SPD und Grüne stoßen mit ihrer Forderung, die Politik müsse sich Gedanken über die Schulentwicklung in der Stadt machen, ein altes Thema an. Diskutiert werden der demografische Wandel und die Abneigung vieler Eltern etwa gegen die Hauptschulen schon lange. Zwei Jahre ist es her, dass ein Bonner Büro für den Kreis Düren einen Schulentwicklungsplan aufstellte, der auch die Stadt Düren berücksichtigte.
Passiert ist seitdem nicht viel.

Wenn SPD und Grüne nun möchten, dass zwei Szenarien für die Gründung von Sekundarschulen aufgezeigt werden, ist das eine berechtigte Forderung. Nimmt Düren nicht gerne für sich in Anspruch, Schulstadt zu sein? Allein damit schon ist zu begründen, dass die 90 000-Einwohner-Stadt, deren berechtigtes Ziel es immer ist, sich zwischen Aachen und Köln als Mittelzentrum zu behaupten, eine Sekundarschule im Angebot haben sollte. Diese Schulform, im Groben eine Mischung aus Haupt- und Realschule mit der späteren Möglichkeit, das Abitur an einer anderen Schule zu machen, ist bei Eltern eine beliebte Alternative, wenn ihre Kinder nicht auf ein Gymnasium gehen (können). Niemand würde ernsthaft behaupten, dass Dürener Hauptschulen schlechte Arbeit machen, im Gegenteil. Aber es ist nunmal Fakt, dass diese Form nicht nur in Düren, sondern bundesweit, nicht mehr ausreichend nachgefragt wird. Dem muss verantwortungsbewusste Politik Rechnung tragen. Ideologische Gründe dürfen keine Rolle spielen. Das dreigliedrige Schulsystem, an dem besonders die CDU, aber auch die FDP, gerne festhält, ist kein Zukunftsmodell. Wichtig ist, dass es in Düren einen möglichst parteiübergreifenden Konsens gibt und nicht auch noch langatmig gestritten wird, wie es weitergeht.
Insofern kann ein objektiver Blick von außen in Form eines Schulentwicklungsplanes in der Tat weiterhelfen. Eigentlich ginge das auch ohne, da viele Daten längst vorliegen. Weil das Thema aber oft noch ideologisch besetzt und eine schnelle Einigung nicht zu erwarten ist, könnte eine spezielle Erhebung für Düren weiterhelfen – auch wenn sie natürlich wieder Steuergeld kosten würde.

Sie kann aber Grundlage für künftige Entscheidungen sein, gewissermaßen eine vermittelnde Rolle zwischen konträren Politikansichten in Düren einnehmen. Allerdings muss der Plan dann auch ernst genommen werden – anders als bisher. Von einem entbindet das Werk aber nicht: Der Rat muss bald selbst entscheiden. Bislang hat er sich davor gescheut.
Ingo Latotzki

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