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Pressespiegel:

Düren, 29. Mai 2013
aus "Dürener Nachrichten" vom 29. Mai 2013

„Mir ist ein faires Miteinander wichtig“

Die Dürener SPD-Bürgermeisterkandidatin Liesel Koschorreck über ihre Ziele, ihren Führungsstil und Orte der Entspannung
Düren. Zwei Jahre vor der Wahl hat die Dürener SPD ihre Kandidatin für das Amt des Bürgermeisters bekannt gegeben. Liesel Koschorreck, 61, ehemalige Landtagsabgeordnete und aktuelle Parteivorsitzende in Düren, will Paul Larue ablösen. Wie will sie das machen? Was treibt sie an? Welche Politik braucht Düren? Darüber sprach „DN“-Redakteur Ingo Latotzki mit der Birkesdorferin.

Mussten Sie lange überlegen, als Ihnen aus Ihrer Partei heraus die Bürgermeister-Kandidatur angetragen wurde?

Liesel Koschorreck: Zunächst war ich überrascht. Ich bin seit 25 Jahren stellvertretende Landrätin, seit 27 Jahren im Kreistag und hatte nie darüber nachgedacht, etwas im Stadtgebiet zu machen. Aber als ich zwei Mal darüber geschlafen und mich mit meiner Familie besprochen hatte, dachte ich: Das ist noch einmal eine Herausforderung für mich.

Sie waren vollkommen ahnungslos?

Koschorreck: Mein Platz war im Kreistag. Da hatte ich bisher meine Themen. Aber natürlich habe ich als Stadtverbandsvorsitzende intensiven Kontakt zu den Dürener Ratskollegen und beschäftige mich von daher wesentlich mit städtischen Themen. Ich kenne mich aus und habe mich auch aus dem Grund für die Kandidatur entschieden. Die Stadt ist noch mal ein Stück bürgernäher als der Kreis.

Was reizt Sie an dem Amt? Es bedeutet viel Arbeit, Stress, Ärger...

Koschorreck: Ich bin durch und durch Politikerin, seit 30 Jahren. Mich reizt der Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen, man bekommt mit, was in Vereinen, Wohlfahrtsverbänden oder in den Kirchen geschieht. Ich habe hohen Respekt vor dem Amt und ich möchte das ändern, was mir nicht gefällt.

Was wäre das Erste?

Koschorreck: Im Rathaus gibt es viele gute Mitarbeiter. Mit denen würde ich als Erstes sprechen, um mir ein umfassendes Bild über die Potenziale zu machen. Mit dem Mitarbeitern würde ich überlegen: Was können wir gemeinsam ändern? Wichtig ist, dass sich die Kollegen mit der Stadt identifizieren.

Welches politische Thema würden Sie direkt angehen?

Koschorreck: Ich möchte eine lebendige Stadt. Auch die Bürger sollen sich mit der Stadt identifizieren. Also würde ich sie in Prozesse einbinden. Etwa bei der Entwicklung der Innenstadt, da brauchen wir innovative Ideen, wir brauchen einen Masterplan und dürfen auch die Stadtteile nicht vernachlässigen.

Wir haben eine Bundeskanzlerin, wie haben eine Ministerpräsidentin: Glauben Sie, dass es für Sie von Vorteil ist, als Frau ins Rennen zu gehen?

Koschorreck: Bisher habe ich nur Zuspruch aus der Bevölkerung erfahren. Menschen, die ich gar nicht kenne, sagen mir: Das finde ich aber gut, dass es mal eine Frau machen möchte. Ich will nicht sagen, dass Frauen bessere Politik machen, sie machen anders Politik.

Inwiefern?

Koschorreck: Ich führe gerne zusammen. Ich habe ein Ziel und frage dann: Wie komme ich dahin? Das mache ich, indem ich die Menschen zusammenbringe, mit ihnen rede und nach dem gemeinsamen Nenner schaue. Das kostet viel Zeit, aber nur so halte ich Politik für zielführend.

Das klingt einfach...

Koschorreck: Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Ich habe als Kulturausschussvorsitzende die Kreiskulturtage ins Leben gerufen. Das habe ich nicht mit viel Geld gemacht, sondern ich habe gefragt: Wo sind die Menschen, die bereit sind, etwas mit mir zu machen? Wo sind die Kirchen, wo sind die Verbände, wo sind die Plätze? Das habe ich dann mit langem Atem bewerkstelligt mit Hilfe von Kunstschaffenden aus dem Kreis Düren. Das Projekt hat funktioniert.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Weschke hat Sie in der jüngsten Stadtratssitzung als „freundliche, ältere Dame“ bezeichnet. Ärgert Sie das?

Koschorreck: Mein Stil der politischen Auseinandersetzung ist ein anderer. Ein faires Miteinander ist mir wichtig, Ich weiß, dass dies auch die Mehrheit der Bürger so sieht.

Wissen Sie schon, was Ihre Hauptthemen im Wahlkampf sind?

Koschorreck: Das werde ich mit meinem Team besprechen. Meine Hauptthemen waren aber immer schon das Soziale und die Kinder- und Jugendpolitik. Daran wird sich nichts .

Was ist mit der Stadthalle? Oder dem Güterterminal?

Koschorreck: Da haben wir uns positioniert: Die Stadthalle soll in die Beratungen für einen Masterplan einfließen. Man kann den Komplex nicht losgelöst von der ganzen Stadtentwicklung betrachten. Klar ist, dass ich gegen zusätzliche 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche in dieser Insellage bin.
Beim Güterterminal müssen wir das Gewerbeflächenkonzept der Stadt abwarten, die Expertenanhörung und weitere Gutachten. Erst danach kann man sorgfältig abwägen. Wichtig sind neue Arbeitsplätze, aber auch der Schutz der Bürger.

Als Bürgermeisterin würden Sie eine Verwaltung mit rund 1000 Mitarbeitern leiten. Wie beschreiben Sie Ihren Führungsstil?

Koschorrreck: Kooperativ und zielorientiert. Aber ich werde schon sagen: Da wollen wir hin. Und dann müssen wir gemeinsam schauen, wie wir dahinkommen. Und das auch konsequent. Ich weiß, was ich will.

Was bedeutet Ihnen Macht?

Koschorreck: Das Wort Macht gefällt mir nicht so gut. Ich rede lieber von: Einflussnahme. Und das im positiven Sinne. Es ist mir immer wichtig, gemeinsam etwas zu erarbeiten. &9654;e_SQuSKommentiert

Karnevalistin und
Niederlande-Fan

Liesel Koschorreck ist seit 27 Jahren im Kreistag, seit 1988 stellvertretende Landrätin. Von 2005 bis 2010 war sie im Landtag. Seit zwei Jahren ist die Birkesdorferin Dürener SPD-Vorsitzende.

Die bekennende Karnevalistin machte eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten. Sie ist verheiratet (eine Tochter, zwei Enkelkinder). Liesel Koschorreck ist Niederlande-Fan, dort kann sie entspannen: „Wenn wir die Kurve hinter Antwerpen nehmen, dann bin ich angekommen.“

„Meine Hauptthemen waren immer das Soziale und die Kinder- und Jugendpolitik.“
Liesel Koschorreck,
SPD-Bürgermeisterkandidatin


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Spannende Zeiten

Dass die SPD schon jetzt ihre Bürgermeisterkandidatin kürt, hat im politischen Düren sicher für Überraschung gesorgt. Immerhin gehen noch zwei Jahre bis zur Wahl ins Land. Einerseits.
Andererseits hat Liesel Koschorreck damit Zeit, sich ein eigenes Profil aufzubauen. Bisher ist sie nicht im Stadtrat, weil ihr politischer Schwerpunkt bislang auf Kreis- beziehungsweise Landesebene lag. Für den nächsten Stadtrat wird sie im kommenden Jahr kandidieren. Da sie überdies seit zwei Jahren Vorsitzende der Dürener SPD ist, hat sie Möglichkeiten genug, sich im Zusammenhang mit Dürener Themen öffentlich Gehör zu verschaffen.
Welche Chancen sie bei der Bürgermeisterwahl 2015 hat, kann seriös heute nicht beantwortet werden. Dass die SPD eine Frau aufstellt, ist sicher ein kluger Schachzug (es gab mit Rolf Hamacher und Olaf Müller zwei weitere Interessenten). Es wäre aber unfair, Liesel Koschorreck nur darauf zu reduzieren, sie ist lange in der Kommunalpolitik und in der Region nicht unbekannt.
Das weiß Bürgermeister Paul Larue, der in zwei Jahren wieder antreten wird. Er genießt nach wie vor ein hohes Ansehen in der Bevölkerung und ist auch heute, nach 14 Jahren Amtszeit, mit hohem Einsatz unterwegs.
Einiges wird davon abhängen, wie die Ratswahl ein Jahr vor der Bürgermeisterwahl ausgeht. Die SPD setzt schon jetzt verstärkt auf eine Zusammenarbeit mit den Grünen, heute zum Beispiel laden beide zu einem gemeinsamen Pressegespräch zum Thema Schulentwicklung. Und die CDU? Die Koalition mit der FDP ist bekanntlich zerbrochen. Zurzeit müssen sich die Christdemokraten Mehrheiten jeweils suchen. Denkbar ist aber auch eine große Koalition, weil weder die SPD noch die CDU mit kleineren Partnern eine stabile Mehrheit erlangt. Fest steht: Düren steht politisch vor einer spannenden Zeit. Das ist kein Nachteil, es verspricht Bewegung.
Ingo Latotzki


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