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Pressespiegel:

Düren, 10. Mai 2013
aus "Dürener Nachrichten" vom 10. Mai 2013

SPD-Marathon auf den Bürgermeistersitz in Düren

Liesel Koschorreck (61) soll für die Genossen als Spitzenkandidatin antreten und 2015 neue Verwaltungschefin werden
Düren. Wenn die Dürener Bürger am 13. September 2015 entscheiden, wer denn neuer Bürgermeister werden soll, wird der Name von Liesel Koschorreck mit auf dem Wahlzettel stehen. Neben dem von Amtsinhaber Paul Larue.

„Der Vorstand des SPD-Stadtverbandes hat am Montag einstimmig Liesel Koschorreck für das Amt der Bürgermeisterin nominiert“, erklärte SPD-Kreisvorsitzender Dietmar Nietan. Und: „Wir sind guten Mutes, mit Liesel Koschorreck die Wahl zu gewinnen.“

„Alternative für den Bürger“

Dass eine Partei zweieinhalb Jahre vor der Wahl bereits eine Spitzenkandidatin präsentiert, mag überraschen, mache aus Sicht der SPD aber Sinn, so Nietan: „Wir wollen uns nicht auf taktische Spielchen einlassen, sondern deutlich vor der Wahl den Bürgern eine konkrete Alternative zum Amtsinhaber bieten.“ Dass auch deshalb, weil bereits im Mai 2014 die Kommunalwahlen, also die Wahl des Stadtrates, stattfinden wird. Schon da wollen die Genossen mit dem Tandem aus Liesel Koschorreck und dem Fraktionsvorsitzenden Henner Schmidt in die Schlacht um die Stimmen der Bürger ziehen. Dazu will die SPD eine neue Strategie verfolgen. So sollen in „intensiven Bürgergesprächen“ die wichtigsten Themen für Düren diskutiert werden. Die lägen, so Nietan, auf der Hand: „In Düren herrscht Stillstand. Düren braucht einen Masterplan für die gesamte Stadt, es bedarf städteplanerischer Akzente und die Wirtschaftsförderung muss angekurbelt werden. Wir brauchen eine Alternative zu dem fehlenden Mut, klare Entscheidungen zu treffen.“

Dass Liesel Koschorreck auch „Lust“ auf den Posten des Chefs der Verwaltung hat, daran lässt die 61-Jährige keinen Zweifel. „Ich bin seit 30 Jahren in der Politik. Ich stehe für den Dialog und ich stehe auch dafür, Bürger frühzeitig in Entscheidungen einzubinden.“ Sie will aber sehr bewusst auch noch für etwas anderes stehen: „Ich will statt der Misstrauenskultur gegenüber der Politik wieder eine Vertrauenskultur schaffen.“ So soll zum Beispiel ein Schwerpunkt im Wahlkampf „die Jugend als wichtiges Thema“ sein. Wie realistisch sind die Chancen der SPD, Amtsinhaber Paul Larue abzulösen? Die Frage kann die SPD nur indirekt beantworten. Ihre Ziele sind jedenfalls klar definiert: Das Tandem Koschorreck/Schmidt soll bei der Kommunalwahl eine „politische Gestaltungsmehrheit jenseits der CDU“ organisieren. Also eine rot-grüne Mehrheit oder die Mehrheit für eine Ampel-Koalition.

Larue in die Stichwahl zwingen

Im zweiten Schritt, der Bürgermeisterwahl, ist das Ziel deutlich vorsichtiger formuliert: Man will Larue in eine Stichwahl zwingen. Dietmar Nietan: „Ich sehe eine große Chance für die politische Kultur. Liesel Koschorreck verfügt über Entscheidungsfreude, Durchsetzungsvermögen und Glaubwürdigkeit.“ Was Nietan damit eigentlich sagen will: Das sind genau die Attribute, die die SPD beim Amtsinhaber vermisst. Henner Schmidt sagt es so: „Wir haben eine echte Chance, Paul Larue unter 50 Prozent zu drücken.“ Sein Beleg: Bei der letzten Landtagswahl konnte die damalige Kandidatin Koschorreck über 45 Prozent erreichen – allerdings gegen Rolf Seel.

Liegt in der frühen Kandidatur ein Risiko? Zum Beispiel wenn schon die Kommunalwahl anders für die SPD ausgehen sollte, als erhofft? Liesel Koschorreck: „Man kann in der Politik nicht abwägen, was wann wo passieren könnte. Wenn ich Angst vor dieser Aufgabe hätte, wäre ich in der Politik falsch.“ Außerdem habe sie längst die Erfahrung gemacht, nicht immer nur Rückenwind für ihre Positionen zu erleben: „Mir gefällt Politik, auch wenn sie nicht immer Spaß macht.“ Abgesegnet werden muss der Vorschlag des SPD-Stadtverbandes, der mit allen Vorsitzenden der Ortsvereine abgestimmt wurde, noch von den Mitgliedern. Schon in drei Wochen soll das Projekt „Marathonlauf auf den Posten des Bürgermeisters“ auf einer Versammlung allen Mitgliedern vorgestellt werden.



Kommentar
Klare Zieleformulieren

Das Bemerkenswerteste an der Bereitschaft von Liesel Koschorreck, als Kandidatin gegen Dürens Bürgermeister Paul Larue anzutreten, ist ihr langer Atem. Wer einen Marathon über zweieinhalb Jahre absolvieren muss, braucht ziemlich viel Luft. Da ist die Gefahr von Rückschlägen noch gar nicht einkalkuliert. Was ist, wenn die SPD bei der Kommunalwahl keine „Mehrheit jenseits der CDU“ erhält, wie es Parteivorsitzender Dietmar Nietan als Ziel formuliert hat. Ist die Kandidatin dann deutlich geschwächt?
Interessant ist, dass die SPD eine klare Alternative zur CDU aufzeigen will, aber vom Typus her eine sehr ähnliche Kandidatin präsentiert. Eine Frau, die auf Dialog setzt, die gerne zuhört. Eigenschaften, die man auch Larue beim besten Willen kaum absprechen kann. Ist die Kandidatin also eine wirkliche Alternative? Sie kann es sein. Wenn sie ihr Profil schärft, vor allem aber, wenn es der gesamten Partei gelingt, klar zu formulieren, welche Probleme man in Düren künftig lösen will. Ob die Bürger sich für akademische Masterpläne interessieren, darf man allerdings bezweifeln. Die Wähler treibt eher um, wie es um bezahlbaren Wohnraum, die Stadthalle oder die Zukunft der Dürener Schulen bestellt ist.
Burkhard Giesen


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