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Pressespiegel:

Düren, 15. September 2015
aus "Dürener Nachrichten" vom 15. September 2015

„Die Kandidaten, die die Partei gewollt hat“

Unterbezirks-Vorsitzender Dietmar Nietan (51) zur deutlichen Wahlniederlage seiner Partei in Stadt und Kreis Düren. Wie kann es gelingen, die SPD fit für die Zukunft zu machen? Über neue Köpfe, Stärken und Schwächen.
Kreis Düren. Die SPD hat in Stadt und Kreis Düren deutliche Wahlniederlagen eingefahren. Liesel Koschorreck bleibt bei den Bürgermeisterwahlen in der Rurstadt mit 29,9 Prozent in etwa bei dem Ergebnis von Henner Schmidt von vor sechs Jahren. Haben die Sozialdemokraten an der Rur auf die falschen Kandidaten gesetzt? Wie muss die Partei sich aufstellen, um bei den nächsten Wahlen in fünf Jahren besser abzuschneiden? Fragen, die Dietmar Nietan, Vorsitzender des SPD-Unterbezirksparteitags, im Interview mit DN-Mitarbeiterin Sandra Kinkel beantwortet hat.

Für die SPD war der 13. September 2015 ein rabenschwarzer Tag mit zum Teil desaströsen Wahlergebnissen. Woran lag es aus Ihrer Sicht?

Dietmar Nietan: Wenn ich das im Vorfeld gewusst hätte, hätte ich natürlich Dinge anders gemacht. Aber im Ernst: Als desaströs würde ich das Ergebnis der SPD auf keinen Fall bezeichnen. Wir haben in der Stadt Düren deutlich verloren, dafür haben wir aber in Nideggen, Linnich und Jülich Kandidaten, die entweder ein SPD-Parteibuch haben oder von unserer Partei unterstützt werden, mit hervorragenden Wahlergebnissen. Und bei der Landratswahl hat Peter Münstermann das beste Ergebnis der SPD seit langem eingefahren. Das ist kein Grund, um selbstzufrieden zu sein. Das ist aber auch kein Grund, um eine Depression herbeizureden.

Das heißt, Sie sind der Meinung, dass Peter Münstermann und Liesel Koschorreck die richtigen Kandidaten waren.

Nietan: Ja, das waren die richtigen Kandidaten. Jetzt etwas anderes zu behaupten, wäre aus meiner Sicht auch absolut unsolidarisch. Liesel Koschorreck und Peter Münstermann haben monatelang Wahlkampf betrieben und sehr hart gearbeitet. Bei Peter Münstermann gab es sogar einen Mitbewerber. Hier hat die Partei demokratisch und fair entschieden, wen sie bei der Landratswahl ins Rennen schicken wollte. Peter Münstermann und Liesel Koschorreck waren die Kandidaten, die die Partei gewollt hat.

Es ist kein Geheimnis, dass beide Kandidaten aber deutliche Schwächen haben, zum Beispiel rhetorisch. Ist es da nicht Aufgabe des Unterbezirksvorsitzenden sie durch entsprechende Schulungen fit oder wenigstens fitter zu machen?

Nietan: Sicherlich gibt es diese Möglichkeit. Tatsache ist aber auch, dass die Kandidaten gewählt worden sind, weil sie authentisch sind. Weil sie Menschen mit Stärken und Schwächen sind. Es bringt nichts, Kandidaten komplett umzukrempeln, wenn sie dann von den Bürgern und den Parteifreunden nicht mehr wiedererkannt werden.

Es geht nicht darum, Menschen komplett umzukrempeln.

Nietan: Ich weiß ja, was Sie meinen. Die Stärke von Peter Münstermann war, dass er bienenfleißig alle Ortsteile im Kreis Düren besucht hat, überall mit den Menschen gesprochen hat, viele Feste besucht hat. Das hat offenbar nicht genug Leute überzeugt. Auf der anderen Seite waren aber auch die Defizite von Landrat Wolfgang Spelthahn und Bürgermeister Paul Larue nicht wahlentscheidend. In Düren war offensichtlich nur wichtig, dass Paul Larue ein netter Kerl ist.

Ein netter Kerl ist Peter Münstermann auch.

Nietan: Ja, und deswegen hat er auch das beste Ergebnis der SPD im Kreis Düren seit Jahrzehnten eingefahren. Punkt. Eins darf ja auch nicht vergessen werden: Im Kreis Düren hat es in 65 Jahren nur zehn Jahre lang keine CDU-Mehrheit gegeben, in der Stadt Düren nur 15 Jahre. Das wollen wir ändern, daran arbeiten wir auch. Strukturell ist das hier für die SPD aber ein schwieriges Pflaster. Das macht es ja im Übrigen auch so schwer, Kandidaten von außen zu finden. Natürlich haben wir im Vorfeld der Wahlen überlegt, ob es jemanden gibt. Aber junge, eloquente Kandidaten mit Verwaltungserfahrung haben nicht an der Tür der SPD im Kreis Düren Schlange gestanden. Aber wenn es sie dann gibt, treten sie eher in Regionen an, wo die SPD auch Chancen hat, am Ende die Wahl zu gewinnen. Ich sage nochmal: Wir haben für die Bürgermeister- und Landratswahl 2015 in Stadt und Kreis Düren Menschen gefunden, die gekämpft und alles gegeben haben. Und ich sehe keinen, der das besser und mit mehr Herzblut gemacht hätte.

Was bedeutet das für die Zukunft der SPD im Kreis Düren?

Nietan: Die Partei muss sich neu aufstellen, keine Frage. Wir können die Tatsache, dass uns der politische Nachwuchs fehlt, nicht länger wegdiskutieren. Es muss uns gelingen, junge Leute zu gewinnen und aufzubauen. Die Frage, ob jemand schon seit zehn Jahren für die Partei Plakate aufhängt oder Stallgeruch hat, darf bei der Kandidatenwahl nicht mehr im Vordergrund stehen.

Was muss denn im Vordergrund stehen?

Nietan: Im Vordergrund muss die Frage nach dem richtigen Profil der Kandidaten stehen. Wir brauchen Menschen, die gegen die Amtsinhaber eine echte Alternative darstellen. Die gilt es zu finden.

Und wie kann das gelingen?

Nietan: Unsere Partei muss den Mut aufbringen, auf neue Leute zu setzen und neue Wege zu gehen. Dazu gehört auch, dass Kräfte gebündelt werden müssen und Ortsvereine stärker zusammenarbeiten müssen.
Unsere Partei darf keine Kirchturmspolitik mehr betreiben, und wir müssen endlich lernen, unsere Stärken und unsere Schwächen realistisch einzuschätzen.

„Junge Kandidaten mit Verwaltungserfahrung haben nicht an unserer Tür Schlange gestanden.“

Dietmar Nietan, 51,
SPD-Unterbezirks-Vorsitzender


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